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Matthes & Seitz Berlin

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Der Sommer 1789 ist herrlich warm und so schon, dass man die Hungersnot im vorangegangenen bitterkalten Winter leicht vergessen kann, zumindest in den Palasten. Im Volk aber wachst die Unzufriedenheit uber die Willkur und Dekadenz der herrschenden Klassen, bis die druckende Hitze schlielich kaum mehr auszuhalten ist. Eines Nachts versammeln sich erste Gruppen in der Dunkelheit. Waffenarsenale werden gesturmt, Theaterrequisiten geplundert. Aus falschen Speeren werden echte Schlagstocke. Die Kirchenglocken in Paris schlagen Alarm, doch zu spat: Am Morgen des 14. Juli hat sich die Menge bereits vor den Toren der Bastille versammelt - sie wird Europa fur immer verandern. Eric Vuillard schildert die Geburtsstunde der franzosischen Revolution als bildreiches Panorama voller Miniaturen, die uns daran erinnern, dass Freiheit auch Gleichheit aller Menschen vor der Geschichte bedeutet. "e;Eine Liebeserklrung an die menschliche Vorstellungskraft in einem berwltigenden Text. Ein Buch mit emotionaler Kraft, das zugleich auch das Elend unserer Zivilisation spiegelt."e; - Le Monde des Livres
Fr. 15.00
Wir kennen alle Details des Ersten Weltkriegs, seinen Beginn, seinen Verlauf, sein Ende. Doch die Wahrheit uber diese fundamentale Erschutterung des Abendlandes kennen wir nicht. Vuillard fuhrt uns diese Unkenntnis mit seiner grandiosen literarischen Geschichtsrhapsodie vor Augen. Er vermischt die sonst sauberlich getrennten Perspektiven und fugt sie zu einem neuen Ganzen zusammen. Mit atemberaubenden, musikalisch komponierten Assoziationen verbindet er die groe Politik mit dem Elend der Schutzengraben, die Detonationen der Gasgranaten mit den gemeinsamen Tanzen der Machtigen jenseits der Front. In der Ballade vom Abendland wird die Geschichte zum Handelnden, erkennbar im Mosaik der Bilder, Vuillard will uns befreien, ernuchtern vom trunkenen Schwelgen in Tod, Opfer, Schlachten, Zerstorung und Heldentum.
Fr. 10.00
Durfen die Armen wutend sein, durfen die an den Rand Gedrangten sich ihre Rechte erkampfen, notfalls mit Gewalt? Luther sprach ihnen im Zuge der Bauernkriege dieses Recht ab, ein anderer Reformator jedoch schlug sich auf ihre Seite und pragte die beiden Jahre des Aufstands entscheidend. Der Drucker, Utopist, Brandredner und Theologe Thomas Muntzer hatte nicht weniger als einen Sturz der Obrigkeit im Sinn - mit religiosen wie ganz und gar weltlichen Argumenten stellte er sich dem ausbeuterischen Feudalsystem entgegen. Der Preis fur seinen Mut war hoch: Fur seine sozialrevolutionaren Ideen wurde er bereits zwei Jahre nach Beginn der Aufstande enthauptet, doch sein Drangen nach Gerechtigkeit hat ebenso uberlebt wie das Selbstverstandnis der oberen Klassen, mit dem sie ihre Privilegien rechtfertigen. Vuillard setzt dieser auergewhnlichen historischen Figur ein fulminantes literarisches Denkmal und beweist mit seiner temporeichen Schilderung der Aufstnde, dass Mntzers Kampf nicht zu Ende, die Wut der Armen nicht erloschen und die in der Gesellschaft tief verwurzelte Ungerechtigkeit noch lange nicht beseitigt ist.
Fr. 11.00
Prix Goncourt 201720. Februar 1933: Auf Einladung des Reichstagsprsidenten Hermann Gring finden sich 24 hochrangige Vertreter der Industrie zu einem Treffen mit Adolf Hitler ein, um ber mgliche Untersttzungen fr die nationalsozialistische Politik zu beraten: Krupp, Opel, BASF, Bayer, Siemens, Allianz - kaum ein Name von Rang und Wrden fehlt an den glamoursen runden Tischen der Vermhlung von Geld und Politik. So beginnt der Lauf einer Geschichte, die Vuillard fnf Jahre spter in die Annexion sterreichs mnden lsst. Bild- und wortgewaltig fhrt er den Leser in die Hinterzimmer der Macht, wo in erschreckender Beilufigkeit Geschichte geschrieben wird. Dabei erzhlt er eine andere Geschichte als die uns bekannte, er zeigt den Panzerstau an der deutschen Grenze zu sterreich, er entlarvt Schuschniggs kleinliches Festhalten an der Macht, Hitlers abgrndige Unberechenbarkeit und Chamberlains gleichgltige Schwche. Mit der ihm eigenen virtuosen Eindringlichkeit und satirischem Biss seziert Vuillard die Mechanismen des Aufstiegs der Nationalsozialisten und macht deutlich: Die Deals, die an den runden Tischen der Welt geschlossen werden, sind faul, unser Verstndnis von Geschichte beruht auf Propagandabildern. In "e;Die Tagesordnung"e; zerlegt ric Vuillard diese Bilder und fgt sie virtuos neu zusammen: Ein notwendiges Buch, das eine berfllige Geschichte erzhlt und damit den wichtigsten franzsischen Literaturpreis erhielt.
Fr. 7.50
Vietnam war Schauplatz zweier Kriege, die zu den längsten und opferreichsten der Geschichte zählen. Éric Vuillard, der die Leser immer wieder mit seinen brillanten Rhapsodien über blitzlichtartig beleuchtete Episoden der Weltgeschichte fesselt, gelingt es auch in dieser neuerlichen Inszenierung, Geschichte unmittelbar fassbar zu machen. Mit wütender Präzision schildert er, wie zwei der größten Mächte der Welt in einer kolossalen Umkehrung der Geschichte gegen ein kleines Volk in ungeheuer verlustreichen Kriegen verlieren. Er erzählt von dem siegreichen Kampf des Unterlegenen und dem Aufstand eines von Kolonialmächten ausgebeuteten und geschundenen Volks. Er lässt das gewaltige Geflecht aus wirtschaftlichen und geopolitischen Interessen sichtbar werden und erweckt eine ganze Galerie schillernder Figuren zum Leben: Kautschukpflanzer, französische Generäle, ihre Ehefrauen, Politiker, Bankiers. Ein ehrenhafter Abgang ist eine zutiefst beunruhigende menschliche Komödie, die ständig aufs Neue aufgeführt zu werden scheint.
Fr. 15.00
Konig Leopold II. initiiert 1884 in Berlin die Kongokonferenz. Jahrzehnte, nachdem das europaische Ringen um Rohstoffe und Land entschieden scheint, fordert der Konig des Kleinstaats seinen Teil des Kuchens. Er rafft gigantische Teile zentralafrikanischen Regenwalds im heutigen Kongo in seinen Privatbesitz, eine Flache achtmal so gro wie Belgien. Improvisierend und sparlich besetzt beginnt eine Kolonialherrschaft von ungekannter Brutalitat, die das Land bis in die Gegenwart hinein zeichnet. Eric Vuillard macht die Monstrositat der Geschichte Belgisch-Kongos in seinem virtuosen Text spurbar. Er zeigt kleine Brusseler Beamte, aufgeschwungen zu Dschungelherrschern, die zu Vollstreckern der europaischen Rohstoffgier werden, und er verleiht ihren zahl- und namenlosen Opfern eine Stimme. Mitreiende Erzahlung eines der bizarrsten Kapitel der Kolonialgeschichte und rhapsodischer Essay uber die Allgegenwart der Gier, ist "e;Kongo"e; ein erschreckend lebendiges Zeugnis banaler Grausamkeit und des beginnenden Weltkapitalismus.
Fr. 10.00
Indianer zu Hunderten, Horden von Bisons und ihre Jager, Hitze und Spannung, Staub und das unentwegte Knallen von Schussen - Eric Vuillards Erzahlung strotzt vor Abenteuer. Doch die Spur verlauft im Kreis, die Manner bewegen sich vor einer riesigen Leinwand, die Rufe der Menge uberdecken alle Gerausche : Billy Cody alias Buffalo Bill tobt im Zentrum eines Spektakels, das als Wildwest-Show uber zwei Jahrzehnte in der ganzen Welt bekannt war und eine Geschichte von Heldentum und gerechtem Zorn konstruierte. Doch die Schlachten der Sieger, der heroische Grundungsmythos eines vermeintlich freien Landes, waren das Massaker an Amerikas Ureinwohnern, deren Uberlebende nun gezwungen sind, im Kostum des Besiegten zu posieren und ihre Erniedrigung bei jeder Darbietung abermals zu durchleben. Eric Vuillard konfrontiert in dieser fesselnden historischen Rhapsodie den amerikanischen Mythos der Eroberung des Westens mit den vergessenen Gesichtern ihrer Opfer und entlarvt das erste groe Massenvergnugen der Neuzeit als lugenhafte Umerzahlung der brutalen Ausrottung eines Volkes in ein gigantisches, von den Siegern zu Markte getragenes Spektakel.
Fr. 8.00